Zichorienkaffee

Zichorienkaffeee Bild: dreamstime.com

Was ist eigentlich Zichorienkaffee?

Der eine oder andere kennt diesen Begriff noch von betagten Verwandten. Er geht zurück auf eine Zeit, in der Kaffee ein Luxusartikel war. In den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg war Kaffee für viele Haushalte fast unerschwinglich, wenn es denn überhaupt welchen gab. Also wurde mit jeder Bohne sparsam umgegangen. Der Kaffee war dann oft so dünn, dass man bis auf den Grund der Tasse schauen konnte, wo sich manchmal Blumenmuster fanden – Blümchenkaffee!

Aus Sparsamkeit wärmte man übrigens auch den übriggebliebenen Kaffee vom Vortag wieder auf und suchte nach günstigeren Ersatzlösungen. Unvorstellbar für moderne Kaffeejunkies!

Angeblich waren hugenottische Gärtner die Erfinder des Muckefucks. Sie gerieten in Kaffeenot, als Friedrich der Große im 18. Jahrhundert den Zoll auf Kaffee stark erhöhte. Bei der Suche nach einem Ersatz stießen sie auf die Wegwarte, auch Zichorie genannt. Wer sich mit naturheilkundlichen Themen auskennt, weiß, dass die Wegwarte eine blau blühende Heilpflanze ist. Ihre Wurzeln werden traditionell als Heilmittel bei Appetitlosigkeit und anderen Verdauungsproblemen eingesetzt. Auch für den Einsatz als Kaffeeersatz zeigte sich die Wegwartenwurzel tauglich: Die armen Kaffeefreunde rösteten Zichorienwurzeln und mischten sie zu dem dünnen Kaffee. Er wurde immerhin dunkler davon…

Angeblich stammt das deutsche Wort Muckefuck von dem französischen Ausdruck „mocca faux“ ab, „falscher Mokka“ also. Wer heute einen koffeinfreien, magenfreundlichen Muckefuck kochen will, der benutzt dazu wohl nur noch selten die Wegwarte. Kaffee-Ersatzstoffe sind heute eher gemälzte Gerste (Malzkaffee) oder gerösteter Roggen.

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